Dienstag, 15. September 2009

WC2009 - der letzte Tag

Lustige Chair-Geschichten
Nachdem ich gestern schon ein wenig über die verschiedenen Arten der Chairs berichtet habe, ihre Session zu führen, habe ich heute gleich noch zwei nette Beispiele zu berichten. In Anbetracht der Tatsache, dass es Samstag ist, 8:15 Uhr morgens und auch noch der letzte Tag der Konferenz mit einem Get-Together am Abend zu vor, ist die erste Session entsprechend leer. Das veranlasst den Chair, alle anwesenden Personen im Auditorium aufstehen und sich vorstellen zu lassen. Seine Erklärung dazu: Es wäre doch nett, wenn die Vortragenden auch wissen, wer sich die Vorträge so anhört. An sich finde ich das eine gute Idee, allerdings hätte er das vielleicht nicht erst am Ende vor dem letzten Vortrag machen sollen. Und davon abgesehen, verstanden habe ich vielleicht nur die Hälfte der anwesenden Personen.
Ganz beliebt scheint auch zu sein, zu seiner Session als Chair einfach mal gar nicht zu erscheinen, sondern seinen Co-Chair damit allein zu lassen. So ist es auch in der zweiten Session zu Robotik im OP geschehen. Finde ich persönlich nicht immer sinnvoll, da die Co-Chairs meistens selber auch einen Vortrag halten und in diesem Fall dann keiner auf die Zeit achtet. Bei dieser Session ging es aber. Nur der Co-Chair war verwirrt, da der leider auch nicht wusste, ob sein Chair noch kommt oder nicht.

Die Session an sich ist jedoch sehr interessant. Merkwürdig wird es aber, als der Mann neben mir mitten im Vortrag anfängt, ganz hektisch in seiner Tasche zu kramen, einen Fotoapparat herauszuholen und schnell noch die Folie mit einer Parallelkinematik zu fotografieren. Er tuschelt aufgeregt mit seinem Nebenmann, beide grinsen. Er fotografiert noch zwei, drei Folien. Als die Fragerunde eröffnet wird grinst er und hebt ganz ruhig die Hand. Nach der ersten Frage wird mir klar, warum er die Folie fotografiert hat, denn seine Worte sind "I am deeply honored, that Mr. piep copied an idea of our company from 2004". Der Vortragende wird recht ruhig. Ich weiß nicht mehr genau wo er her kam, ich glaube piep, auf jeden Fall steht das piep mit Herrn piep unten auf seinem Foliensatz. Er antwortet relativ ausweichend, dass er einen recht allgemeingültigen Ansatz einer Kinematik vorgestellt hat, aber ich finde, dass der Ansatz schon recht speziell aussieht. Der Mann neben mir erwidert, dass der Ansatz zu seiner Zeit publiziert wurde und von daher auch der Öffentlichkeit bekannt sein müsste. Als der Vortragende nicht antwortet, winkt er ab. Es folgen zwei oder drei harmlose Fragen vom Chair, bevor sich der Mann neben mir noch ein Mal zu Wort meldet mit der Frage, ob ihm zwei Systeme, dessen Namen ich vergessen habe, geläufig wären, die ebenfalls diese Kinematik nachgebaut haben. Er fragt weiter, worin genau der Unterschied bzw. die Verbesserung des vorgestellten Systems sei. Der Vortragende antwortet ausschweifend mit der Beschreibung von diversen Verbesserungen. Die knappe Reaktion des Mannes neben mir ist nur, ja, diese Vorzüge hätten die anderen beiden Systeme auch, aber wenn ihm die nichts sagen, bräuchte man da nun nicht weiter drüber sprechen. Der Vortragende wird entlassen und der nächste Sprecher geht nach vorne. Puh, denke ich mir. Wenn der Vortragende wirklich nicht wusste, was er da vorstellt, dann ist das die absolute Horror-Vorstellung. Man stellt was vor, denkt man kennt den Stand der Technik und dann kommt so eine Reaktion. Super unangenehm, und etwas vor dem ich immer Angst hatte. Sollte der Vortragende das jedoch gewusst habe, dann denke ich mir, hat es ihn zurecht getroffen. Man könnte dann schon erwähnen, woher die Grundidee kommt.

Ursprünglich war mein Vortrag für den Samstag-nachmittag geplant gewesen, so dass ich eine Abfahrtzeit zu 17 Uhr habe. Leider wurde nach dem Kauf meines Bahntickets das Programm des Kongresses noch ein Mal umgestellt, so dass nun nach der Mittagspause am Nachmittag nur noch zwei Keynotes gehalten werden, die nicht interessant für mich sind. Ich verlasse daher nach den beiden letzten Sessions während der Mittagspause die Konferenz und fahre in die Stadt zurück. Ich beschließe, den Nachmittag zu nutzen, um mir die Innenstadt anzusehen. Während der U-Bahnfahrt bin ich mal wieder fasziniert von den Spiegeln an den Bahnsteigkanten. Sie erlauben dem Führer einen Blick zurück entlang des Zuges.

In der Stadt laufe ich vom Stachus bis zum südlichen Zipfel des englischen Gartens. Ich bin erstaunt, wie viele Leute und vor allem wie viele Touristen in der Stadt unterwegs sind. Die Stadt ist voll! Ich gehe am Oberpollinger vorbei (traue mich aber nicht bei Louis Vuitton, Prader, Longchamp, Bottega Veneta, Burberry, Dior, Fendi, Gucci, Miu Miu und Tod's rein), bleibe beim Rathaus stehen und gehe auch mal in den Hof, habe einen Blick auf die Peterskirche geworfen, und biege dann nach links ab in die nördliche Innenstadt. Da gehe ich an Dallmayr vorbei, entscheide mich um und gehe mal hinein. Es riecht super! Und es ist lustig: Die Frauen stehen wirklich an großen Porzellan-behältern und füllen dort Kaffee mit einer kleinen Waage ab. Anschließend gehe ich über den Max-Joseph Platz mit dem Nationaltheater bis zur Feldherrnhalle und dem Hofgarten, der an den südlichen Teil des englischen Gartens angeschlossen ist. Hier ist es angenehm still im Gegensatz zum Gemurmel der Stadt. In der Mitte im Dianatempel spielt ein Mann mit der Geige Ave Maria. Ich setze mich und genieße den ruhigen Moment. Dann mache ich mich auf den Rückweg an der Residenz vorbei, wo verschiedene Schilde stehen mit Hundefratzen, dessen Nasen blank gegriffen sind - soll wohl Glück bringen. Ich suche und be-suche die Frauenkirche, in der ein Holzabbild von Papst Benedikt hängt. Hier kaufe ich auch ein paar Postkarten für die Familie. Am Stachus kaufe ich ein Buch und gehe dann zum Hotel, um mein Gepäck abzuholen und mich auf den Heimweg zu machen. Um 23:23 komme ich nach einem langen Tag wieder in OL an. Ich bin noch wach, denn ich hatte mich in München gut mit einem Kaffee von Starbugs gedoped.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen