Donnerstag, 10. September 2009

"I am very disappointed of your university and your professor" oder 10.09.09 WC2009 - der dritte Tag

Nachdem der Vormittag des dritten Tages der Konferenz relativ unspektakulär verlaufen ist, sitze ich am Nachmittag in einer Session über Telemedizin und höre einen Vortrag über "Authentication of persons using acceleration sensors in a telemedicine setting". Nach dem Vortrag meldet sich ein Herr mit weißen Haaren zu Wort, der in der ersten Reihe sitzt und dem wohl der Vortrag nicht unbedingt gefallen hat. Das Missfallen hat er dann recht klar mit den Worten "This is a fun type of application and your motivation is so far from any real application. I am very disappointed of ... not from you but from your university and your professor" zum Ausdruck gebracht ... und das vor allen Hörern. Der Sprecher des Vortrages hat anschließend Rückendeckung sowohl vom Chair als auch aus dem Auditorium bekommen, auch wenn der Chair nach der Session noch einen Moment Diskussion mit dem Sprecher hatte. Er war an sich auch nicht besonders angetan gewesen vom Vortrag, hat dies aber auf eine deutlich konstruktivere Weise rüber gebracht. Der nächste Vortrag war nach dem Schreck recht unterhaltsam. Es wurde ein Modell zur "intra body communication" vorgestellt, welches an einer gekochten Wurst simuliert wurde, die einen Ersatz für den menschlichen Arm darstellen sollte. Auf die Frage, ob rohes Fleisch nicht irgendwie anders auf elektrische Impulse reagiert als gekochtes Fleisch, antwortete der Sprecher, dass er das wohl wisse, aber dass sie ein Problem damit hatten, dass das frische Fleisch immer so schnell schlecht geworden sei. Und da ich meinen Vortrag erst morgen habe und ich heute daher noch lästern darf hier noch eine kurze Bemerkung über den nächsten Vortragenden, der den Sinn des Laserpointer darin sah, so dicht an die Wand zu treten, dass er mit der Spitze des Pointers seine Graphiken erklärt hat, anstatt den Pointer anzuschalten und am Rednerpult stehen zu bleiben.

Gegen halb sieben mache ich mich wieder in Richtung Hotel auf. Ich gehe an Beate Uhse, live Casinos, live Thai Shows, einem Geldwechsler und anderen Geschäften vorbei. Leider ist es noch nicht dunkel genug, um die ganzen Neonröhren zu sehen. Kurz vor mir erreicht eine junge Frau das Hotel, lässt einen Mann draußen stehen und betritt vor mir die Rezeption. Sie fragt mit osteuropäischem Akzent nach einem Zimmer, hat aber keinerlei Gepäck dabei ... außer dem Mann vor der Tür. Ich überlege kurz, ob ich darüber nachdenken will, wer noch so alles in den Zimmern um mich herum abgestiegen ist, entschließe mich aber, das sein zu lassen, da ich bisher nicht gehört oder gesehen habe, was mich stören könnte. Die Frau an der Rezeption entschuldigt sich höflich bei der jungen Frau, aber heute sind keine Zimmer mehr frei. Wahrheit oder Lüge? Man weiß es nicht ...

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