Samstag, 12. September 2009

11.09.09 WC2009 - der vierte Tag

Nach einem recht erheiternden, wenn auch zum Teil auch sehr ernsten Vortrag zum Sinn und Unsinn von Telemedizin aus der Sicht eines Mediziners, sitze ich anschließend in der Session zu "Writing and Rewriting of scientific publications". Vorher jedoch liegt eine kurze medizinischen Keynote Session, die aufgrund von einer sehr geringen Teilnehmerzahl vom Chair mit den Worten: "What I have learned from my previous professor was: Never mix quality and quantity! So, I want to acknowledge the high quality of people here" begrüßt wird.

Nach dem Mittag lausche ich den beiden Plenar-vorträgen, bevor anschließend die Session beginnt, in der ich meinen Vortrag halten darf. Die Vorträge sind interessant, aber fast noch interessante sind die kommenden und gehenden Personen zu betrachten. Die Stufen in dem großen Vortragssaal sind recht weit und ausladend, bis auf die letzten drei. Diese Stufen sind im Vergleich zu den anderen Stufen sehr schmal. Die meisten Personen kommen die Stufen runter und schauen in den Saal, um festzustellen, wo sie sich hinsetzen wollen. Daher achten sie nicht auf die Stufen und merken nicht, dass die Stufentiefe sich ändert. Fast alle stolpern auf den letzten drei Stufen. Ich fühle mich an die "Muppets feiern Weihnachten" erinnert, wo die Schwelle vereist ist, und jeder, der neu hereinkommt, ausrutscht und stürzt. Das Szenario wäre beinahe zum Lachen gewesen, wäre nicht letztendlich doch eine Person gestürzt und hat sich zumindest kurzfristig böse den Knöchel verstaucht.

Die Session mit meinem Vortrag verläuft ruhig, ich habe nette Chairs und keine bösen Fragen nach dem Vortrag, auch wenn ich selber mit mir (wie immer) nicht zufrieden bin. Anschließend unterhalte ich mich kurz mit dem Chair, der vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Als sein Chef dazu kommt, werde ich überrascht. Ich werde vorgestellt und stelle mich darauf ein, dass mein Arbeitgeber OFFIS erstmal nicht bekannt ist. Weit gefehlt. "Ach, wie schön", sagt der Chef, "dann grüße doch mal den Marco von mir, wir sehen uns ja in zwei Wochen wegen dem DICOM Treffen". Öhm, ja. Klar. Das mache ich doch. Muss mir nur noch schnell den Namen merken.

Anschließend ist die letzte Session des Tages und ich wundere mich mal wieder über den Chair. Es gibt so unterschiedliche Menschen und daher auch so unterschiedliche Chairs. Am Dienstag hat ein Chair strickt auf die Zeit geachtet und jeden Fragesteller angefahren, wenn dieser sich nicht zunächst mit Name und Institut vorgestellt hat. In diesem Fall beginnt die Session pünktlich mit einem eingeladenen Vortrag. Anschließend sind wir 15 Minuten nach der Zeit. Ich denke, der Chair wird nun höchstens eine Frage zulassen. Doch nein, er lässt nich nur mehrere Fragen zu, sondern beginnt auch selber noch mit einer absoluten Ruhe eine kurze Diskussion. Der zweite Sprecher beginnt bereits mit einer halben Student Verspätung. Anschließend erfolgen Fragen und gaaaaanz ruhige Diskussion angeregt durch den Chair. Nach dem dritten Vortrag sind wir eine dreiviertel Stunde hinter der Zeit. Ich blicke auf die Uhr. Nach der Session sollte eine halbe Stunde Pause sein und dann die Innovation at Night Veranstaltung beginnen, in der verschiedene Awards verliehen werden. Das werden die letzten Sprecher wohl nicht schaffen. Ich bin ganz froh, dass meine Session anders abgelaufen ist, und verlasse passend zur Preisverleihung den Raum. Schade um die Vorträge, gerade den letzten hätte ich gerne gehört.

Ich bin aber anschließend ganz froh, die Preisverleihung gesehen zu haben, denn ich treffen nicht nur einen meiner früheren Studenten sondern werde auch Zeuge, wie einer der Medical Physics Studenten von der Uni Oldenburg einen Award gewinnt. Die ganze Veranstaltung wird von Musik eingerahmt und von einer Moderatorin geführt. Doch der hört keiner mehr zu, sobald sie die Worte "draußen ist das Essen aufgebaut" gesagt hat. Da ich nah dem Rand sitze, werde ich mit der Masse aus dem Saal geschwemmt, obwohl ich es an sich nicht höflich finde, zu gehen, während die Moderatorin drinnen noch einen schönen Abend wünscht. Aber wenn es ums Essen geht, verhalten sich auch erwachsene Menschen irgendwie wie eine Horde hungriger Affen, und es wird mit Ellenbogen dafür gesorgt, dass man auch ja ganz vorne am Buffet steht. Doch wir werden enttäuscht, es gibt nur Rohkost-stäbchen mit einem Hauch von Frischkäse (laut Schild: Rohkoststifte mit gekräutertem Hüttenkäse), wunderschön angerichtet in kleinen, hohen Gläschen, in denen man nach ein Mal abbeißen den Frischkäse nicht mehr erreicht. Neben der Rohkost gibt es Tartart vom Caipirinhalachs (mit Dill) und Mousse vom Bachsaibling auf Orangen Cous Cous. Auf einem anderen Tisch gibt es Süßspeisen mit Namen, die ich mir nicht merken konnte - habe aber ja Fotos gemacht und kann nun spieken: Mousse von Cappuccino und Zimt, Baumkuchenspitzen mit weißer Schokolade und noch etwas, wo ich das Schild nicht gefunden habe, aber Himbeeren und Schokolade drin vorkamen. Ich esse ein bisschen Lachs-Mus und zwei Baumspitzen mit weißer Schokolade und mache mich dann auf den Heimweg.

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